Das Arbeitszeugnis

Das Arbeitszeugnis ist eine wichtige Urkunde für alle, die sich auf dem Arbeitsmarkt bewegen. Es dient der Dokumentation des Berufsweges und belegt die Art und Dauer der Beschäftigung. Oft wird die Frage nach den fehlenden Zeugnissen beantwortet mit: "Mein Arbeitgeber hat mir kein Zeugnis gegeben." oder "Ich wusste gar nicht, dass ich Anspruch auf ein Zeugnis habe, weil ich nur 7 Monate für die Mustermann GmbH gearbeitet habe".

Tatsächlich sollten Sie im eigenen Interesse darauf achten, dass Sie Ihren Berufsweg möglichst umfassend und lückenlos dokumentieren können.

Fehlerhaftes Zeugnis?

Ist ein Arbeitszeugnis unvollständig, fehlerhaft oder grob falsch, kann sich der/die Arbeitnehmer*in nicht herausreden, dafür nicht verantwortlich zu sein. Es ist also in Ihrem Interesse das erhaltene Arbeitszeugnis zu prüfen oder prüfen zu lassen und – wenn nötig – Verbesserungen einzufordern. Denn die zukünftigen Leser*innen Ihres Zeugnisses werden Ihnen und nicht dem/der Verfasser*in des Zeugnisses die Rechtschreib-/ Kommafehler und andere Defizite anlasten, weil Sie nicht für deren Beseitigung gesorgt haben.

Ein Zeugnis, das Sie nicht hundertprozentig verstehen, kann Ihren Berufsweg nachhaltig schädigen, ohne dass Ihnen der Grund dafür bewusst wird. Zum Beispiel, weil es Aussagen, Benotungen o.ä. enthält, die Ihnen zum Nachteil gereichen.

Der Rechtsanspruch

Es ist kaum bekannt, dass Deutschland zu den wenigen Ländern gehört, in denen es einen Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis gibt.

Gerade wegen der in Deutschland bestehenden Zeugniserteilungspflicht des/der Arbeitsgeber*in werden Zeugnislücken häufig kritisch interpretiert. Aus diesem Grunde kommt in Deutschland dem Arbeitszeugnis eine sehr hohe Bedeutung im Berufsleben zu. Vom/von der Arbeitgeber*in ein Zeugnis zu verlangen, ist deshalb auch eine Investition in die eigene berufliche Zukunft.

Was sich einfach anhört, gestaltet sich in der Praxis manchmal schwierig. So gibt es neben den Gesetzen, auf die sich Arbeitnehmer*innen berufen können, eine für den Laien kaum zu überschauende Rechtsprechung zum Thema Arbeitszeugnis.

Übrigens: Die Geschichte der Pflicht zur Zeugniserteilung reicht in Deutschland ca. 500 Jahre zurück. Bereits damals hieß es: Ohne Zeugnis, keine Einstellung.
Über den Zeugnisanspruch und das Verhältnis von Arbeitnehmer und Arbeitgeber hat sich der Bundesgerichtshof bereits im Jahre 1963 richtungsweisend geäußert. Nach seiner Auffassung sollte es die Regel sein, dass der Arbeitgeber dem ausscheidenden Arbeitnehmer ein wohlwollendes Zeugnis ausstellt. Er kommt damit seiner „über das Ende des Dienstverhältnisses hinausweisenden sozialen Mitverantwortung“ nach. (BGH 1963)

FAQ – Regelmäßig wiederkehrende Fragen

Im Hinblick auf das Thema Arbeitszeugnis tauchen regelmäßig wiederkehrende Fragen auf. Wir haben diese Fragen thematisch geordnet und versucht, sie einfach und prägnant zu beantworten.

Selbstverständlich können diese Informationen nur der ersten Orientierung dienen. Die Praxis ist oft komplizierter. Deshalb sollten Sie sich immer an eine kompetente Rechtsberatungsstelle oder an eine*n Fachanwalt/Fachanwältin für Arbeitsrecht wenden.

Der Zeugnisanspruch

Bekomme ich das Arbeitszeugnis automatisch vom/von der Arbeitgeber*in ausgestellt?
Grundsätzlich muss der/die Arbeitnehmer*in das Arbeitszeugnis vom/von der Arbeitgeber*in einfordern. Denn, auch wenn der/die Arbeitgeber*in verpflichtet ist, dem/der Arbeitnehmer*in ein Zeugnis auszustellen, so muss er das nicht ohne Aufforderung tun.

Ab wann besteht ein Zeugnisanspruch?
Der Anspruch besteht, sobald das Arbeitsverhältnis beendet worden ist. Manche Jurist*innen vertreten die Auffassung, dass der Zeugnisanspruch mit der Zustellung der Kündigung besteht. Auf alle Fälle sollte das Zeugnis spätestens am Tag des Ausscheidens aus dem Unternehmen in die Hände des/der Arbeitnehmer*in gelangen. Das Zeugnis sollte das Datum des vertragsgemäßen Ausscheidens aus dem Unternehmen tragen.

Ich war nur ein paar Monate für meine*n letzte*n Arbeitgeber*in tätig. Habe ich trotzdem Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
Selbst bei nur 6-wöchiger Tätigkeit muss der/die Arbeitgeber*in ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen.

Ich war bei der Firma Mustermann nur geringfügig beschäftigt. Habe ich trotzdem Anspruch auf ein Arbeitszeugnis?
Auch geringfügig Beschäftigte haben einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.

Ich habe als Praktikant*in für die Firma Mustermann gearbeitet, aber kein Zeugnis erhalten. Habe ich einen Rechtsanspruch auf ein Zeugnis?
Der Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis gilt auch für Praktikant*innen und Auszubildende.

Mein*e ehemalige*r Arbeitgeber*in verweigert mir ein Arbeitszeugnis, weil ich (angeblich) noch im Besitz einer Chipkarte für den Firmenparkplatz bin. Ist das rechtmäßig?
Der/die Arbeitgeber*in hat kein Zurückbehaltungsrecht. D.h., er/sie darf die Herausgabe des Zeugnisses weder verzögern noch verweigern, etwa, weil der ehemalige Angestellte noch im Besitz eines Diensttelefons, von Fahrzeugschlüsseln o.ä. ist.

 

Verjährung und Fristen

Wie lange besteht mein Zeugnisanspruch?
Für den Zeugnisanspruch gilt normale Verjährung – diese beträgt drei Jahre. Wer seine*n frühere*n Arbeitgeber*in nicht beim Ausscheiden aus dem Unternehmen um ein Arbeitszeugnis gebeten hat, kann das nachholen. Aber Vorsicht: Je länger man wartet, desto eher ist es möglich, dass ein Gericht schon vor dem Ende dieser Frist den Anspruch für verwirkt erklärt.

Gibt es Ausnahmen von dieser Verjährungsfrist?
Verschiedene Ausnahmen sind denkbar und es gibt sie in der Praxis. In manchen Arbeitsverträgen oder auch Tarifverträgen gibt es Ausschlussfristen, die es zu beachten gilt.

Beispiel: Ein Arbeitsvertrag enthält eine Klausel der zufolge alle Ansprüche aus dem Arbeitsverhältnis innerhalb von drei Monaten schriftlich geltend gemacht werden müssen –  ansonsten verfallen sie. Gerichte haben auch schon entschieden, dass der Anspruch bereits vor dem Ende der Verjährungsfrist (durch Untätigkeit) verwirkt wurde.

Unser Tipp: Wollen Sie von einem/einer ehemaligen Arbeitgeber*in noch ein Arbeitszeugnis, dann sollten Sie sich beeilen und nach Möglichkeit rechtlichen Beistand suchen.

 

Das Zwischenzeugnis

Warum soll ich mir überhaupt ein Zwischenzeugnis ausstellen lassen?
Ein Zwischenzeugnis kann für Ihr berufliches Fortkommen hilfreich sein, wenn Sie den/die Arbeitgeber*in wechseln möchten. Der/die zukünftige Arbeitgeber*in bekommt auf diese Weise eine Zwischenbilanz Ihrer Leistungen und – mindestens ebenso wichtig – einen Überblick über Ihr aktuelles Aufgabengebiet.

Ein gutes Zwischenzeugnis bietet dem/der Arbeitnehmer*in darüber hinaus einen großen Vorteil: Der/die Arbeitgeber*in ist an den Inhalt und die Bewertung des Zwischenzeugnisses gebunden. Es sei denn, er kann beweisen, dass sich der/die Arbeitnehmer*in verschlechtert hat. Diesen Beweis gerichtsfest zu erbringen, ist jedoch praktisch kaum möglich. Das Zwischenzeugnis hat zwar keine rechtliche, aber eine faktische Bindewirkung.

Habe ich auch einen Rechtsanspruch auf ein Zwischenzeugnis?
Nein. Es gibt keinen generellen Anspruch auf ein Zwischenzeugnis. Ein Zwischenzeugnis muss ggf. vor Gericht gegen den/die Arbeitgeber*in durchgesetzt werden.

Dennoch werden Zwischenzeugnisse erteilt. Gibt es Ausnahmen?
Grundsätzlich steht es jedem/jeder Arbeitgeber*in selbstverständlich frei, Zwischenzeugnisse auszustellen. Es gibt auch Beispiele dafür, dass Arbeitgeber*innen sich vertraglich zu Erteilung verpflichtet haben, bspw. enthält der Manteltarifvertrag Metall NRW eine solche Verpflichtung.

Welche Anlässe legen die Beantragung eines Zwischenzeugnisses nahe?
Die Rechtsprechung hat anerkannt, dass es auch Anlass für die Erteilung eines Zwischenzeugnisses geben kann, wenn ein besonderes rechtliches Interesse des/der Arbeitnehmer*in vorliegt. Sie erkennt verschiedene triftige Gründe an:

  • Wesentliche Aufgaben in der beruflichen Praxis haben sich verändert.
  • Ihr*e unmittelbare*r Vorgesetzte*r wechselt den Arbeitsplatz.
  • Sie wollen in Elternzeit gehen.
  • Sie weisen eine lange Betriebszugehörigkeit
  • Sie möchten intern den Job wechseln (Zwischenzeugnis alte Stelle).
  • Betriebsübernahme – das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, wird von einem anderen Unternehmen „geschluckt“.
  • Stellenabbau – Sie müssen in einem anderen Bereich des Unternehmens arbeiten.

 

Inhalt – Struktur – Form des Arbeitszeugnisses

Was muss in einem Arbeitszeugnis stehen?
Ein einfaches Zeugnis enthält Dauer und Art der Tätigkeit sowie den Beginn und das Ende des Arbeitsverhältnisses. Ein qualifiziertes Zeugnis enthält außerdem eine Bewertung der Leistung und des Verhaltens – das ist der Unterschied zum einfachen Zeugnis. Das Gesetz regelt jedoch weder die Länge noch die Ausführlichkeit des Arbeitszeugnisses.

Wie soll ein ordentliches Arbeitszeugnis aufgebaut sein?
Ein aussagekräftiges Zeugnis sollte u.a. die wichtigsten Tätigkeiten aufführen. Dieses Tätigkeitsprofil, sollte erkennen lassen, wie die Stelle „gestrickt“ ist. Bei der Prüfung eines qualifizierten Arbeitszeugnisses sollten Sie darauf achten, dass das Zeugnis etwa folgende Struktur aufweist:

  • Überschrift
  • Einleitungssatz (ggf. beruflicher Werdegang im Unternehmen)
  • Unternehmensskizze
  • Aufgabenbeschreibung (die wichtigsten Tätigkeiten des Arbeitnehmers)
  • Motivation
  • Arbeitsbefähigung / Fachwissen
  • Arbeitsweise
  • Besondere Erfolge
  • Zusammenfassende Leistungsbeurteilung
  • Sozialverhalten / Führungsbeurteilung
  • Zukunftswunsch
  • Ausstellungsdatum
  • Unterschrift

Zufällig habe ich erfahren, dass alle ausgeschiedenen Arbeitskolleg*innen identische Zeugnisse bekommen haben. Ist das zulässig?
Unternehmen dürfen keine Standardzeugnisse von der Stange ausstellen. Ein Arbeitszeugnis muss individuell sein. Ein 08/15-Zeugnis, das Ihre Arbeitsaufgaben, Ihre Leistung und die individuellen Besonderheiten Ihrer Arbeit nicht hinreichend beschreibt und würdigt, können Sie zurückweisen.

In meinem Zeugnis fehlen wichtige Tätigkeiten. Das Zeugnis enthält Rechtschreibfehler, Kommafehler und obendrein noch einen schweren Formatierungsfehler. Kann ich etwas dagegen tun?
Als Arbeitnehmer*in sollten Sie darauf achten, dass Ihr Zeugnis auch in formaler Hinsicht korrekt ist.

Wichtige formale Kriterien sind:

  • Korrekte Rechtschreibung, Absätze, Kommata, Formatierungen
  • auf ordentlichem Geschäftspapier ausgestellt
  • vom/von der Aussteller*in unterschrieben
  • ausgedruckt (Achtung: Ausdrucke von Tintenstrahldruckern können mit der Zeit erheblich verblassen)
  • nicht mit dem Bleistift, nicht mit der Hand geschrieben
  • nicht geknickt (wenn doch: Knick darf bei Kopie/Scan nicht sichtbar sein)
  • sauber und ordentlich
  • in einheitlicher „Maschinenschrift“
  • von der richtigen Person unterschrieben
  • elektronische Form ist ausgeschlossen

Diese (und andere) Fehler müssen Sie nicht hinnehmen. Selbstverständlich sollte man den/die Arbeitgeber*in auffordern, ein korrektes Zeugnis auszustellen und etwaige Fehler zu korrigieren. Sollte der/die Arbeitgeber*in nicht reagieren, gibt es die Möglichkeit der Zeugnisberichtigungsklage.

 

Zeugnissprache

Gibt es eigentlich eine geheime Zeugnissprache, der sich die Arbeitgeber*innen bedienen?
Im Gesetz (§ 109, Abs. 2 GewO) heißt es zu diesem Thema: „Das Zeugnis muss klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.“

Eine „Zeugnis-Geheimsprache“, mit welcher der/die Arbeitergeber*in mühelos alle Informationen über den/die Zeugnisempfänger*in chiffrieren können, gibt es nicht. Die unabdingbare Voraussetzung für das Funktionieren einer solchen Sprache wäre, dass alle Arbeitgeber*innen sie verstehen und anwenden können.

In der Praxis haben sich jedoch Formulierungen durchgesetzt, die ihre Entsprechungen in den Schulnoten von 1 – 5 haben und sich regelmäßig in sehr vielen Zeugnissen wiederfinden.

Problematisch wird es insbesondere dann, wenn der/die Zeugnisaussteller*in mit den Feinheiten dieser „Formulierungen“ nicht vertraut ist. So kann es passieren, dass ein*e Arbeitgeber*in im festen Glauben und Bemühen, dem/der Arbeitnehmer*in sehr gute Leistungen zu bescheinigen, das exakte Gegenteil zum Ausdruck bringt. Tatsächlich gibt es aber eine Vielzahl von Formulierungen und Redewendungen, derer sich Zeugnisgeber*innen bedienen, die dem/der unbedarften Leser*in oft harmlos erscheinen, aber hochproblematisch sind.

Unser Tipp: Lassen Sie Ihr Arbeitszeugnis immer von einem Profi prüfen, bevor Sie es akzeptieren.

 

ACHTUNG
Wir möchten Sie abschließend noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die o. g. Ausführungen keine Rechtsberatung, sondern lediglich eine Orientierungshilfe darstellen. Es handelt sich um unsere sorgfältig recherchierte Sichtweise auf das Thema. Bei aktuellen Problemen oder Rechtsstreitigkeiten wenden Sie sich bitte direkt an eine*n Fachanwalt/Fachanwältin für Arbeitsrecht oder an eine Rechtsberatungsstelle.

Das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ist ein kompetenter Ansprechpartner. Auch dorthin können Sie sich mit Ihren Fragen zum Thema Arbeitsrecht bzw. Zeugnis wenden.
Die Beratung ist kostenlos: Mo–Do von 8–20 Uhr unter 030 - 22 19 11 00 4

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