Zu viele Azubis für zu wenige Ausbildungsplätze? Ganz so „einfach“ ist es nicht.

Bundesweit suchen in etwa noch 127.000 junge Menschen nach einem Ausbildungsplatz, wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilt. Dabei gäbe es ausreichend freie Ausbildungsplätze: Mehr als 484.700 sind derzeit (Stand Juli 2021) gemeldet (Statistik der BA 2021: S.5f.), davon sind 41% der Stellen nicht besetzt. Wie kann man sich dieses Schieflage erklären und woran liegt es, dass Arbeitgeber und Azubis scheinbar schwierig zueinander finden?

Die Corona-Krise hat viele Probleme noch verschärft, die sich bereits seit Jahren abzeichnen und sich weiter zuspitzen. Die Pandemie mit ihren vielen Einschränkungen und Lockdowns hat zwar dafür gesorgt, dass wenige Berufsmessen, keine Schnuppertage und kaum oder nur eingeschränkt Praktika stattfanden. Darauf ist aber nicht alles zurückzuführen. Das hohe Interesse an einer akademischen Laufbahn ist nach wie vor ungebrochen, genauso wie die Fokussierung vieler auf zahlenmäßig wenige „hippe“ Ausbildungsplätze.

Erschwert wird die Ausbildungsplatzsuche auch dadurch, dass gut die Hälfte aller Ausbildungsplätze für alle jene mit Hauptschulabschluss - beziehungsweise Berufsbildungsreife - verschlossen bleiben, während sich junge Menschen mit Abitur tendenziell weniger Sorgen machen müssen. Besonders schwer haben es zudem Schulabbrecher*innen. Auch junge Menschen mit ausländischem Namen und/oder Pass sowie geringeren Deutschkenntnissen, bekommen weniger häufig die Chance auf eine Ausbildung (deutschlandfunkkultur.de). Zudem spielt auch der Anreiseweg eine wichtige Rolle, bedenkt man, dass die Ausbildungsvergütung ohnehin nicht viel finanziellen Spielraum lässt.

Den Vorsitzenden des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, treibt zudem eine Doppelentwicklung um: Zum einen habe der Corona-Fernunterricht das Leistungsgefälle, was unter anderem häufig mit der sozialen Herkunft zusammenhängt, noch einmal massiv verstärkt. Zugleich seien aber gerade jene Branchen angeschlagen die von Bewerber*innen nicht zwingend ein gutes Zeugnis verlangten. Die vom Staat gezahlte Corona-Ausbildungsprämie helfe da wenig, so Hilgers:

„Wer ein Einzelhandelsgeschäft oder einen Gastronomiebetrieb mit Mühe in Betrieb genommen hat und vielleicht direkt wieder dem nächsten Lockdown entgegenblickt, wird keine Ausbildungskraft einstellen, da er nicht weiß ob er die notwendigen Ausbildungsangebote machen kann. Das ist die momentane Lage und die betrifft vor allem jene mit einem schlechteren Schulabschluss.“ (dlf, Min 2:08-2:30)

Hinzu kommt, dass aktuell ungefähr nur jeder fünfte Betrieb ausbildet. Gewerkschaften fordern deshalb, dass solche Betriebe in die Leistung einer „Ausbildungsumlage“ gehen müssen - also einer Form von Ausgleichszahlungen.

Zudem müsse man Schulabbrecher*innen in Zeiten wie diesen eine sichere Alternative - in Form eines Jobs, so DGB Vizechefin Elke Hanack:

„Wir nennen das Ausbildungsgarantie. Da gibt es Vorbilder in Europa, beispielsweise in Österreich, wo jemand der keinen betrieblichen Ausbildungsplatz bekommt, dann erstmal einen außerbetrieblichen Ausbildungsplatz bei einem Träger bekommt, dann aber nach spätestens einem Jahr in den Betrieb wechselt.“ (dlf Min. 1:00-1:06).

Die Arbeitgeber*innen verweisen hingegen darauf, dass gerade im (Bau-)Handwerk dringend Auszubildende gesucht werden. Besonders gute Ausbildungschancen gibt es derzeit außerdem im Gesundheitsbereich, in der Gastronomie und Hotellerie oder im Verkehrswesen. Arbeitgebende fordern in das sogenannte „Match-Making“ zu intensivieren, nämlich Firmen verstärkt mit interessierten jungen Menschen zusammenzubringen.

Wir als JOB POINT Berlin knüpfen schon seit Jahren genau an diesen Punkt an und laden im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe „Ein Unternehmen stellt sich vor“ verschiedene Arbeitgeber zu einem „Jobdating“ ein. Dabei geben wir Unternehmen die Gelegenheit, sich und ihre zu besetzenden Positionen vor interessierten Personen zu präsentieren, die sich dann direkt dem Arbeitgeber vorstellen und Fragen stellen können. Zudem besteht die Möglichkeit, im Nachgang direkt die eigenen Bewerbungsunterlagen einzureichen. Sie wollen Ihr Unternehmen in unserem „Jobdating“ vorstellen? Dann zögern Sie nicht und kontaktieren uns gerne. Wir freuen uns auf Ihre Anfragen.

Zudem bieten wir auch kostenfreie Einzelberatungen in Sachen „Ausbildungsplatzsuche“ und unterstützen Sie gerne bei der Bewerbung.

Weiterführende Links:

Statistik der Bundesagentur für Arbeit Berichte: Arbeitsmarkt kompakt – Der Ausbildungsmarkt im Beratungsjahr 2020/21, Nürnberg, Juni 2021. Online (Stand 13.08.21)

Sommer der Berufsbildung | ZDH

Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung starten den „Sommer der Berufsausbildung“ - BMBF

Allianz für Aus- und Weiterbildung - Startseite (aus-und-weiterbildungsallianz.de)

Wissenswertes zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ - BMBF

158.000 junge Menschen finden keinen Ausbildungsplatz – trotz freier Lehrstellen (berliner-zeitung.de)

Bildquelle:
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