Was Arbeitgeber*innen in Bewerbungsgesprächen nicht fragen dürfen

Kennen Sie Ihre Rechte: In einem Vorstellungsgespräch sind nicht immer alle Themen auch zulässig. Wenn Sie wissen, auf welche Fragen Sie antworten müssen und auf welche nicht, können Sie besser vorbereitet und selbstbewusster in das nächste Gespräch gehen. Brauchen Sie Unterstützung bei der Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch, können Sie jederzeit einen kostenfreien Termin mit unseren Beraterinnen und Beratern vereinbaren.

Grundsätzlich gilt: Fragen, die im Zusammenhang mit den betrieblichen Anforderungen an die Position stehen, sind zulässig und sollen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Die rechtlichen Einschränkungen bei den Fragen im Bewerbungsgespräch resultieren in der Bundesrepublik Deutschland aus dem Artikel 3 des Grundgesetzes. Dort heißt es wörtlich:

„Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

Diese Formulierung gibt bereits Hinweise darauf, welche Fragen bei einem Vorstellungsgespräch nicht gestellt werden dürfen. Doch es gibt weitere Gesetze, in denen sich Einschränkungen finden - so das "Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz" und das "SGB IX".

Bei folgenden Stichworten sollten Sie hellhörig werden:

  • Schwangerschaft

Ausnahme: Ist das Arbeitsverhältnis so kurz befristet, dass Sie gar nicht erst zur Arbeit erscheinen können, darf die Frage im Bewerbungsprozess gestellt werden und Sie sollten diese auch beantworten.

Ansonsten bietet sich folgende Antwort an: „Meines Wissens nach bin ich nicht schwanger. Ich bin motiviert und möchte mich erst einmal im Job beweisen“. Sollten Sie zum Zeitpunkt des Bewerbungsgesprächs schwanger sein oder werden, sind sie rechtlich dennoch abgesichert.

  • Familienstand

Durch die Frage nach insbesondere kleinen Kindern möchte sichergestellt werden, dass die Betreuung der Kinder nicht mit den Arbeitszeiten kollidiert und abgefragt werden, ob zum Beispiel häufige (unerwartete) Ausfälle zu erwarten sind. Eine Antwort, die Sie darauf geben können: „Ich habe ein gutes Betreuungsnetzwerk und muss mich nicht alleine um die Kinder kümmern.“

  • Sexuelle Orientierung
  • Religion/Glaube

Ausnahme: Konfessionelle Arbeitgeber - wie etwa die Kirche oder Träger der Kirche - dürfen nach der Religionszugehörigkeit fragen.

  • Politische Überzeugungen
  • Behinderung

Ausnahme: Bei berechtigten Zweifel an der Eignung für den Job oder wenn eine Behinderung durch das Versorgungsamt anerkannt wurde.

  • Krankheit

Ausnahme: Haben Sie ansteckende Krankheiten oder leiden an etwas, das Ihre Arbeitsleistung dauerhaft mindert, muss der Gesundheitszustand offengelegt werden.

  • Vermögensverhältnisse

Ausnahme: Besteht der Job darin, Gelder zu verwalten oder besteht die Gefahr der Bestechung, dürfen sich Arbeitgeber*innen nach den Vermögensverhältnissen erkundigen. Dann müssen Sie auch ehrlich antworten.

  • Lohnpfändungen
  • Vor- oder Haftstrafen

Ausnahmen: Eine drohende Haftstrafe unterliegt der Offenbarungspflicht. Erfordert die auszuübende Tätigkeit diese Frage, ist sie erlaubt. Ein Beispiel? Stelle im Bankwesen für den Kassenbereich. Außerdem dürfen Arbeitgeber*innen Führungszeugnisse verlangen, dies ist zum Beispiel üblich im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit.

  • Alter

Die konkrete Frage nach dem Alter ist unzulässig, auch wenn sich dieses bei Angabe durch den Lebenslauf errechnen lässt. Sie könnten aber zum Beispiel schwungvoll antworten: „Mein Motto ist: man ist so alt wie man sich tatsächlich fühlt.“

  • Herkunft

Diversität und Mehrsprachigkeit ist ein Gewinn für jedes Unternehmen! Auch wenn nach der Herkunft eigentlich nicht gefragt werden darf, können Sie diesen Vorteil gegenüber anderen Bewerber*innen unterstreichen. Wollen Sie das Herkunftsland nicht explizit nennen, könnten Sie vielleicht darauf hinweisen, welche Sprachen Sie sprechen und schreiben.

Behalten Sie immer im Hinterkopf, dass ein Nichtantworten tendenziell unangenehm ist. Sind Sie sich unsicher, können Sie jederzeit mit einer Gegenfrage antworten, um herauszufinden inwiefern die Frage für die besagte Stelle relevant ist.

Und nun viel Erfolg bei der Jobsuche und im Bewerbungsgespräch!

Achtung: Wir möchten Sie abschließend noch ausdrücklich darauf hinweisen, dass die o. g. Ausführungen keine Rechtsberatung, sondern lediglich eine Orientierungshilfe darstellen. Es handelt sich um unsere sorgfältig recherchierte Sichtweise auf das Thema. Bei aktuellen Problemen oder Rechtsstreitigkeiten wenden Sie sich bitte direkt an einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder an eine Rechtsberatungsstelle.

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