Kognitive Dissonanz – Warum belügen wir uns selbst?

Gisa

Wir Menschen sehen uns selbst gerne als rationale, logisch denkende und handelnde Wesen, welche faktenbasiert Entscheidungen treffen. Doch weit gefehlt! Wir alle unterliegen den unterschiedlichsten teils auch unbewussten Einflüssen und handeln häufig vollkommen irrational.

Meinungen, Gedanken, Einstellungen, Wünsche – all das sind Wahrnehmungen (Kognitionen) des Menschen. Diese sind nicht immer alle miteinander zu vereinen, so dass es bei verschiedenen Situationen zu unterbewussten Konflikten kommt. Prallen zwei verschiedene Wahrnehmungen aufeinander oder geraten diese sogar mit dem eigenen Selbst- bzw. Weltbild in Konflikt, so entsteht ein unangenehmer Gefühlszustand: die kognitive Dissonanz. Dieser Gefühlszustand betrifft alle Lebensbereiche, z.B. Beziehungen, individuelle Verwirklichung, Konsum und Entscheidungen. In solchen Situationen wird der Mensch zum Künstler: Es werden Wahrheiten verbogen, Fakten ignoriert und Informationen bewusst falsch interpretiert.

Beispiele finden sich in aktuellen gesellschaftlichen Themen: Menschen leugnen die Corona-Pandemie bzw. die Gefährlichkeit des Virus. Die Gefahr von Impfungen wird dagegen betont. Andere leugnen den menschgemachten Klimawandel und die daraus resultierenden Folgen. Forschende haben herausgefunden, dass dies weniger mit der Bildung oder dem Denkvermögen zu tun hat, sondern persönliche bzw. psychologische Gründe hat.

Der Psychologe Matthew Hornsey von der University of Queensland hat in einer Studie sechs Motive gefunden, weshalb Menschen wissenschaftliche Befunde ignorieren.

  • Ideologien und Eigeninteressen führen dazu, dass gegenteilige Fakten ignoriert werden.

  • Verschwörungsglaube und Ängste sind insbesondere bei Impfskeptiker*innen verbreitet. Hornsey fand heraus, dass die Impfskepsis umso größer war, je mehr sich die Befragten vor Spritzen ekelten. Diese Erkenntnis wertet der Psychologe als Hinweis darauf, dass hinter einer scheinbar rational begründeten Einstellung manchmal auch irrationale Gefühle stecken. Beispielsweise könne sich jemand zum/zur Impfgegner*in entwickeln, um sich nicht mit seiner Angst vor Spritzen konfrontieren zu müssen.

  • Persönliche und soziale Identitäten können das Selbstwertgefühl stärken. Einstellungen, zum Beispiel als Impfgegner*in, können auch zur sozialen Identität werden und ein Gefühl von Zugehörigkeit verschaffen. Wer seine Meinung ändert, riskiere damit auch sein soziales Netz, schreibt Hornsey.

Daraus ergibt sich, dass objektive Fakten und eine gute Information zwar aufklären können, aber die wahren Motive dahinter mehr berücksichtigt werden müssen. Dazu meint der Neurowissenschaftler Henning Beck: „Menschen von Fakten zu überzeugen, funktioniert oft gar nicht, weil sie sich gar nicht an Fakten orientieren, sondern sie orientieren sich an dem, was für sie nützlich ist.“ So kann eine Impfkampagne sehr viel erfolgreicher sein, wenn sie keine Spritzen oder nackte Oberarme zeigt.

Auch im Bewerbungsprozess kann es zu kognitiven Dissonanzen kommen.

Hierbei wird das eigene Selbstbild zwangsläufig durch andere Menschen eingeschätzt. Kommt es bspw. nach einer Bewerbung nicht zu einer Einladung zum Vorstellungsgespräch, nagt dies am eigenen positiven Selbstbild. Noch intensiver ist diese Erfahrung nach Vorstellungsgesprächen, wenn diese erfolglos bleiben bzw. man sogar mit Kritik konfrontiert wird.

Die meisten Menschen reagieren darauf üblicherweise mit Ausreden oder Rechtfertigungen (auch an sich selbst) bzw. weisen sogar die Schuld anderen zu. Nur Wenige hinterfragen ihren eigenen Anteil am Misserfolg.

Diesen Anteil und damit auch das eigene Verhalten zu reflektieren, erfordert zwar deutlich mehr Arbeit und ist häufig ein schwieriger Prozess, allerdings werden so die wahren Ursachen reflektiert und ggf. beseitigt. Oft verbirgt sich hier die Chance auf eine neue Erkenntnis, eine wertvolle Erfahrung oder eine ganz neue Perspektive: Ein Aha-Moment, der das Leben und die Jobsuche nachhaltig verändern kann.

Die Berater*innen des JOB POINT Berlin unterstützen Sie gerne in Ihrem Bewerbungsprozess.

Wir optimieren gemeinsam mit Ihnen Ihre Bewerbungsunterlagen, bereiten individuell Vorstellungsgespräche mit Ihnen vor und simulieren diese zu Übungszwecken. Dabei werden Verhalten und Antwortstrategien reflektiert, so dass Sie künftig besser in Gesprächen „performen“ können. Auch bisherige Vorstellungsgespräche und Bewerbungsaktivitäten können gemeinsam analysiert und somit kognitive Dissonanzen im Bewerbungsprozess aktiv reduziert werden. Vereinbaren Sie dafür gerne einen Termin mit uns – per Telefon, E-Mail oder Video-Chat!

 

Quellen:

https://www.spektrum.de/news/ignoranz-warum-manche-menschen-die-fakten-leugnen/1838431

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/irrglaube-wieso-menschen-fakten-leugnen

https://karrierebibel.de/kognitive-dissonanz/

https://www.bigkarriere.de/karrierewelt/querbeet/kognitive-dissonanzen

https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0963721420969364

 

Bildquelle:
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