Kündigung? Arbeitszeugnis nicht vergessen!

Nicht erst seit der Corona-Krise, die allein in Deutschland innerhalb kürzester Zeit hunderttausende Arbeitsplätze gekostet hat, erleben wir im JOB POINT Berlin, dass manche Kunden ihren beruflichen Lebenslauf nur unvollständig darlegen können. Dabei ist ein Arbeitszeugnis eine wichtige Urkunde für alle, die sich auf dem Arbeitsmarkt bewegen. Das Zeugnis dient der Dokumentation des Berufsweges. Oft wird die Frage nach den fehlenden Zeugnissen beantwortet mit: „Danach habe ich nicht gefragt!“ oder „Ich dachte, ich bekomme das automatisch zugeschickt“ oder „Ich wusste gar nicht, dass ich Anspruch auf ein Zeugnis habe, weil ich nur 7 Monate für die Mustermann GmbH gearbeitet habe“.

Das Gesetz ist auf Ihrer Seite
Viele Menschen wissen nicht, dass Deutschland zu den wenigen Ländern gehört, in denen es einen Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis gibt. Was sich einfach anhört, gestaltet sich in der Praxis manchmal schwierig. So gibt es neben den Gesetzen, auf die sich Arbeitnehmer berufen können, eine umfassende Rechtsprechung zum Thema Arbeitszeugnis.

Grundsätzlich muss der Arbeitnehmer das Arbeitszeugnis vom Arbeitgeber einfordern. Denn, auch wenn der Arbeitgeber verpflichtet ist, dem Arbeitnehmer ein Zeugnis auszustellen, so muss er das nicht ohne Aufforderung tun.

Zu unterscheiden ist zwischen dem einfachen und dem qualifizierten Zeugnis. Das einfache Zeugnis beinhaltet nur die Tätigkeit sowie den Beginn und das Ende des Arbeitsverhältnisses. Das qualifizierte Zeugnis enthält außerdem eine Bewertung der Leistung und des Verhaltens.

Wie soll ein Arbeitszeugnis aussehen?
Darüber, wie ein Zeugnis auszusehen hat, wurde häufig gestritten – auch vor Gericht.

Der Arbeitnehmer sollte – im Eigeninteresse – darauf achten, dass sein Zeugnis in formaler Hinsicht korrekt ist. Das Zeugnis
• muss auf Geschäftspapier ausgestellt werden (Papierform, keine Datei),
• sollte keine Rechtschreibfehler oder Formatierungsfehler enthalten,
• muss die Unterschrift des Ausstellers tragen,
• sollte sauber und ordentlich sein.

Übrigens haben Gerichte entschieden, dass man auch dann Anspruch auf ein Arbeitszeugnis hat, wenn man nur wenige Monate in einem Unternehmen gearbeitet hat. Dies gilt auch für geringfügig Beschäftigte und Praktikanten.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben
Wer seinen früheren Arbeitgeber nicht um ein Arbeitszeugnis gebeten hat, kann das nachholen. Die gesetzliche Verjährung für den Zeugnisanspruch beträgt drei Jahre. Aber Vorsicht: je länger man wartet, desto eher ist es möglich, dass ein Gericht den Anspruch für verwirkt erklärt.

Vielleicht ist es aber ratsam, nicht gleich mit dem Gesetzbuch zu winken. Auch ein freundlicher Anruf beim früheren Arbeitgeber kann Wunder wirken.

Benötigen Sie Hilfe?
Das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ist ein kompetenter Ansprechpartner. Dorthin können Sie sich mit Ihren Fragen zum Thema Arbeitsrecht wenden.

Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 20.00 Uhr
Telefon 030 - 22 19 11 00 4

 

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