Wie entstand der Internationale Weltfrauentag?

Am 08. März ist „Internationaler Weltfrauentag“. Ausgehend von den USA 1908 verbreitete sich der Feiertag in den Folgejahren auch in Europa. 1911 schlossen sich erstmals Menschen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz zusammen, um den "Ehrentag“ für Frauen zu zelebrieren.

1975 wurde der 08. März weltweit von der UNO institutionalisiert – heute bekannt als „Internationaler Frauentag“. Zahlreiche Rechte, die wir dieser Tage als selbstverständlich erachten, verdanken wir der Frauenbewegung und ihrem Kampf um Gleichberechtigung, der über nunmehr über ein Jahrhundert andauert.

Anmerkung: Dieser Text bezieht sich primär auf die Entwicklungen in der BRD. In Fragen der Gleichberechtigung gilt die Frauenpolitik der DDR im Vergleich als vorbildlich: Selbstverständliche Berufstätigkeit sowie Kinderbetreuung waren üblicher und das ohne die Kämpfe, die die westdeutsche Frauenbewegung auszufechten hatte. Zur Vertiefung und näheren Infos zu den unterschiedlichen Entwicklungen von BRD und DDR lohnt sich folgender Beitrag. Auch hier gibt es weitere Infos dazu oder im unten angegebenen Werk von Nave-Herz Kapitel 7 „Die Frauenfrage in der DDR“.

Von der Weimarer Republik bis heute

Mit der Weimarer Republik erhielten Frauen in Deutschland erstmals das Recht auf Wahlbeteiligung. Das „Gesetz über die Wahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung“ (12.11.1918) gewährte allen Bürger*innen ab dem Alter von 20 Jahren das aktive und passive Wahlrecht (Universität Bielefeld).

1933 erlitt die Frauenbewegung ihren ersten großen Rückschlag: Frauen verloren das passive Wahlrecht wieder. Generell wurden zivilgesellschaftliche Organisationen, also auch die Frauenbewegung, im Sinne der „Gleichschaltung“ verboten. Der Mann als „Ernährer und Beschützer“ hatte Verfügungsgewalt über die Frau und ihren Körper – so konnte er seiner Ehefrau zum Beispiel verbieten, einer Arbeit nachzugehen (Nave-Herz 1997, S.31ff.).

Durch die sogenannten „Trümmerfrauen“, die nach dem 2. Weltkrieg nicht nur Gebäude und Arbeitsstätten wiederaufbauten, sondern dem Staat als solchem wieder zu einem geregelten Alltag verhalfen, änderte sich das Bild und die Rolle der Frau nachhaltig. Noch vor der Wiedergründung der Parteien entstanden Frauenausschüsse, deren oberstes Ziel die Gleichberechtigung der Frau als ein Menschenrecht war. Die größte Errungenschaft der Nachkriegszeit war der Satz "Männer und Frauen sind gleichberechtigt", der 1949 im Grundgesetz der neuen Verfassung der BRD (Artikel 3, Absatz 2, Satz 1) festgeschrieben wurde.

Die Vorstellung über die Rolle der Frau als „Hausfrau und Mutter“ verschwand dadurch allerdings noch lange nicht aus den Köpfen: So konnte beispielsweise noch bis 1958 ein Ehemann über das Dienstverhältnis seiner Frau entscheiden und auch ohne das Einverständnis der Frau das vorhandene Arbeitsverhältnis kündigen. Frauen hatten zudem bis 1959 kein Recht, ihr in die Ehe mitgebrachtes Vermögen (und damit auch ihr Gehalt) selbst zu verwalten.

Frauen konnten außerdem ohne die Zustimmung des Ehemannes bis 1962 kein eigenes Bankkonto errichten (Nave-Herz 1997: S.13). Bis zur „Gesetzesreform des Ehe- und Familienrechts“ 1977 konnte der Ehemanns der Frau das Arbeiten verbieten – denn sie waren rechtlich "zur Führung des Haushaltes" und die Kindererziehung verpflichtet. Eine Berufstätigkeit durfte dieser Pflicht nicht im Wege stehen (Nave-Herz 1997: S.26f., EMMA Online).

Frauenrechte: Wichtige Meilensteine in der BRD

Die Aufzählung ist angelehnt an die Ausarbeitung der Universität Bielefeld:

1968: die Einführung des „Mutterschutzgesetz“

1986: die Einführung des Erziehungsgeldes und Erziehungsurlaubs

1991: das erste eigene Ressort für Frauen und Jugend (seit 1993 heißt es „Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend“).

Seit 1992 dürfen auch Frauen nachts arbeiten

1993 wurde Gewalt gegen Frauen als Menschenrechtsverletzung anerkannt.

1994 wurde beschlossen, dass sich Stellenausschreibungen sowohl an Männer als auch an Frauen richten müssen. Der Arbeitgeber musste ab diesem Zeitpunkt also deutlich machen, dass beide Geschlechter gemeint sind - zum Beispiel durch den Zusatz „(m/w)“. Seit 2018, mit der Anerkennung des 3. Geschlechts, findet langsam auch das „d“ für divers Eingang in die Stellenausschreibungen. Außerdem verschärft sich dadurch das „Verbot der Diskriminierung wegen des Geschlechts im Arbeitsleben“. Beschäftigte sollen vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz geschützt werden und die Vereinbarkeit und Familie und Beruf wird in den Fokus gerückt.

1995 wurde das Abtreibungsrecht gelockert. Abtreibungen sind zwar weiterhin verboten, aber unter bestimmten Bedingungen straffrei. Bewegungen für weitere Lockerungen des Abtreibungsrecht laufen unter dem Titel „Weg mit dem §218a“.

1997 wurde die Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt.

1999: Die Bundesregierung führt die „Gender Mainstreaming Strategie“ zur Verbesserung der Gleichstellung von Männern und Frauen ein.

2001: Frauenrechte in Deutschland erreichen UN-Standard. Der Bundestag ratifiziert das Zusatzprotokoll zum UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeglicher Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW).

2005 wurde in Deutschland erstmals eine Frau zur Kanzlerin ernannt.

Der 8. März soll darauf aufmerksam machen, dass es auf dem Weg zur Gleichstellung und Chancengleichheit immer noch viel zu tun gibt. Gerade in der Arbeitswelt: Denken wir beispielsweise an die schlechteren Karrierechancen von Frauen, den immer noch vorhandenen Lohnunterschied (am 10.03. ist „Equal Pay Day“) sowie die Diskriminierung von Frauen am Arbeitsplatz (siehe dazu: Antidiskriminierungsstelle). Viele Errungenschaften liegen nicht einmal 20 Jahre zurück und basieren auf den unermüdlichen Kämpfen von Frauen für Gleichberechtigung. Frauenrechte sind Menschenrechte, aber vielerorts immer noch keine Selbstverständlichkeit.

Hier verwendete und gelesene Quellen:
https://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Geschlecht/Gleichbehandlung_der_Geschlechter_im_Arbeitsleben_neu/Gleichbehandlung_Geschlechter_Arbeitsleben_node.html (Stand 03.03.21, 15:35)
https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_56_2020.pdf (Stand 02.03.21, 11:23)
https://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauen-in-deutschland/ (Stand 03.03.21, 11:23)
https://www.emma.de/artikel/gesetzgebung-vorher-nachher-265857 (Stand 05.03.21, Stand 13:58)
https://www.frauenrechte.de/informationen/informationen2/frauenrechte-weltweit/501-international-verbriefte-frauenrechte (Stand 03.03.21, 14:23)
https://www.frauenwahlrecht-bw.de/damals-heute/zeitstrahl/ (Stand 03.03.21, 09:03)
Nave-Herz, Rosemarie 1997: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Online unter: https://www.politische-bildung.de/niedersachsen/frauenbewegung.pdf (Stand 05.03.21, 13:46)
https://www.uni-bielefeld.de/gendertexte/chronik.html/ (Stand 05.03.21, 12:23)
https://www.weser-kurier.de/deutschland-welt/deutschland-welt-fotos_galerie,-frauen-in-deutschland-wann-sie-was-durften-_mediagalid,38821.html (Stand 03.03.21, 11:23)

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