Geschichten aus der Beratung: Mohammad Ali Rezaee im Interview mit MobiJob

Mohammad Ali Rezaee (28) kommt aus Afghanistan und lebt seit 2015 in Deutschland. In Berlin hat er Deutsch gelernt, seinen Schulabschluss nachgeholt und verschiedene Praktika im Gastgewerbe absolviert. Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz ist er im Juli 2020 zu MobiJob in die Beratung gekommen. Im September 2020 beginnt er nun seine dreijährige Ausbildung zum Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk bei der Biobäckerei Beumer & Lutum. Seine Geschichte erzählt Mohammad im Interview.

MobiJob: Wir freuen uns, dass Du heute bei uns bist, Mohammad. Unsere erste Frage: Warum hast Du Dich für die Ausbildung zum Verkäufer entschieden?

Mohammad: Ich möchte gerne jeden Tag mit Menschen Kontakt haben. Das mag ich an dem Beruf als Verkäufer. Außerdem bin ich als Kind auf dem Land aufgewachsen, da habe ich in der Landwirtschaft mitgeholfen und Obst und Gemüse angebaut. Daran erinnere ich mich gerne zurück. Ich wollte deswegen Verkäufer für Lebensmittel werden.

MobiJob: Du hast in den vergangenen fünf Jahren ja schon richtig viel geschafft, worauf Du stolz sein kannst: Du hast den BBR gemacht, die Deutsch-B2-Prüfung bestanden und Arbeitserfahrung gesammelt. Wie haben Dir Praktika bei der Berufsorientierung geholfen?

 

„Die EQ war deshalb ganz toll, weil ich da schon die Berufsschule kennenlernen konnte.“

 

Mohammad: Ganz am Anfang wollte ich KFZ-Mechatroniker werden, aber dafür haben meine Qualifikationen nicht gereicht. Danach wollte ich etwas mit Lebensmitteln machen, weil ich das eben schon aus meiner Kindheit kannte. Ich habe zum Beispiel eine Einstiegsqualifizierung* in einem Hotel gemacht und dort im Restaurant gearbeitet. Das hat sechs Monate gedauert. Dann habe ich noch andere Praktika gemacht und gemerkt, dass mir die Arbeit als Verkäufer viel mehr Spaß macht.

MobiJob: Was war für Dich das Besondere an der Einstiegsqualifizierung?

Mohammad: Die EQ war deshalb ganz toll, weil ich da schon die Berufsschule kennenlernen konnte. Da weiß ich jetzt, was mich erwartet. In meiner Heimat kann man so eine Ausbildung ja gar nicht machen. Da lernt man nur mit der Erfahrung.

 

„Weil ich aus Afghanistan komme, durfte ich am Anfang keinen Integrationskurs machen.“

 

MobiJob: Welche Erfahrungen hast Du nach Deiner Ankunft in Deutschland gemacht?

Mohammad: Weil ich aus Afghanistan komme, durfte ich am Anfang keinen Integrationskurs machen. Ich habe im Wohnheim gewohnt und da gab es einen Hausmeister. Ich bin zu ihm gegangen und habe gefragt: „Kann ich dir helfen?“ Das habe ich dann ein Jahr gemacht. Er hat mir dann auch geholfen mit der deutschen Sprache. Später haben ehrenamtliche Lehrer mein erstes Praktikum für mich gefunden. 2018 habe ich dann sogar für drei Monate in einer Lounge am Flughafen gearbeitet.

MobiJob: Wie hast du den Bewerbungsprozess für Deinen jetzigen Ausbildungsplatz erlebt?

Mohammad: Am Anfang wusste ich gar nicht, wie ich eine Ausbildung finden kann. Ich konnte nicht alleine eine Bewerbung schreiben. Ich habe viele Absagen bekommen. Aber ich wusste von früher, dass die Leute im JOB POINT mir helfen können. Ich habe angerufen und einen Termin bei MobiJob bekommen. Ich habe dann meine Unterlagen mitgebracht und wir haben zusammen alles überarbeitet. Wir haben mehrere Bewerbungen geschickt und ich habe zwei Antworten bekommen. Das war von Beumer & Lutum und von einer Konditorei. Ich war bei der Konditorei zur Probearbeit, aber da hat es nicht geklappt. Danach ging aber alles so schnell! Ich war in der Beratung, danach bin ich gegangen und ich war noch nicht zuhause und wir haben schon eine Antwort von Beumer & Lutum bekommen.

MobiJob: Wie ging es dann weiter?

Mohammad: Ich war wieder einen Tag bei der Probearbeit. Am Anfang war alles neu für mich, aber gegen Mittag konnte ich dann mit den Kunden sprechen und belegte Brötchen machen. Das hat viel Spaß gemacht. Danach hat die Chefin direkt gesagt: „Du kannst mit den Kunden umgehen, du kannst die Ausbildung bei uns machen!“

 

„Dass ich in einer Biobäckerei arbeite, finde ich besonders toll!“

 

MobiJob: Das klingt wunderbar! Worauf freust Du Dich denn am meisten in der Ausbildung?

Mohammad: Ich freue mich, dass ich mit vielen Leuten arbeiten kann. Und dass ich in einer Biobäckerei arbeite, finde ich besonders toll! Außerdem freue ich mich auf die Berufsschule, weil ich in meiner Heimat nicht lange in der Schule war.

MobiJob: Du bist in Berlin ja auch ehrenamtlich aktiv, wie engagierst Du Dich?

Mohammad: Im Nachbarschaftshaus Kiezspinne singe ich im Chor. Der heißt „Stimmentausch“. Seit 2016 bin ich dort. Das ist ein multikultureller Chor und jeder ist herzlich willkommen, egal ob jung oder alt. Ich helfe dort auch anderen Menschen aus meiner Heimat und sage ihnen zum Beispiel, wo sie Deutsch lernen können. Ich habe dort auch eine sehr nette Familie kennengelernt. Sie helfen mir, damit ich hoffentlich jetzt eine Ausbildungsduldung bekomme. Das ist für Menschen aus Afghanistan nicht so einfach. Aber ich hoffe, dass das klappt.

MobiJob: Welchen Rat würdest Du zum Abschluss noch anderen Menschen mit auf den Weg geben?

Mohammad: Am Anfang ist es schwierig, wenn man in einem anderen Land ist, besonders wegen der Sprache. Aber man muss es versuchen und man kann es schaffen, wenn man will. Aber man schafft nicht alles alleine. Am besten ist es, man holt sich Hilfe. Das kann ich aus meiner eigenen Erfahrung sagen.

MobiJob: Herzlichen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Dir weiterhin viel Erfolg und einen gelungenen Start in die Ausbildung!

Das Interview mit Mohammad haben wir eine Woche vor Beginn seiner Ausbildung geführt.

Mohammad an seinem neuen Arbeitsplatz bei der Biobäckerei Beumer & Lutum Mohammad an seinem neuen Arbeitsplatz bei der Biobäckerei Beumer & Lutum

Mohammad an seinem neuen Arbeitsplatz bei der Biobäckerei Beumer & Lutum Mohammad beim Interview mit MobiJob

Fotos: © MobiJob / GesBiT mbH

*Eine Einstiegsqualifizierung (EQ) ist eine Maßnahme zur Berufsorientierung der Agentur für Arbeit. Es handelt sich um ein vergütetes Langzeitpraktikum von 6 bis 12 Monaten. Die Praktikant*innen lernen in dieser Zeit den Ausbildungsberuf, den Ausbildungsbetrieb und die Berufsschule kennen und werden auf die duale Ausbildung vorbereitet.

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