Gender Pay Gap: Was ist der Equal Pay Day?

Der „Equal Pay Day“ fällt dieses Jahr - kurz nach dem Internationalen Weltfrauentag - auf den 10. März. Auch wenn der Gender Pay Gap (= das geschlechtsspezifische Lohngefälle) in Deutschland in den letzten Jahren leicht zurückgegangen ist, verdienen Frauen pro Arbeitsstunde durchschnittlich 19 Prozent weniger als Männer.

Der Equal Pay Day soll auf die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von Frauen und Männern hinweisen. Symbolisch markiert er den Tag des Jahres bis zu dem Frauen, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, unentgeltlich arbeiten – vorausgesetzt sie bekämen den gleichen Stundenlohn. Oder anders gesagt: "Um das Einkommen zu erzielen, das Männer bereits am 31. Dezember des Vorjahres hatten, müssen Frauen bis zum eben diesem Equal Pay Day (EPD) des Folgejahres arbeiten." (Verdi.de)

Die Forderung nach „gleichem Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit“ scheint längst überholt. Von einer tatsächlichen Lohngleichheit sind wir allerdings auch heute noch weit entfernt. Und das, obwohl „der Grundsatz der Lohngleichheit für Frauen und Männer seit 1981 in Artikel 4 Absatz 2 der Bundesverfassung verankert [ist]: «Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit».

Fünfzehn Jahre später wurde mit dem Bundesgesetz über die Gleichstellung von Mann und Frau (Gleichstellungsgesetz, GlG), das am 01. Juli 1996 in Kraft getreten ist, die rechtliche Durchsetzung dieses Anspruchs wesentlich erleichtert.“ (Frauen, Macht, Geschichte 2000, S.1)

Diese Lohnschere zwischen Frau und Mann lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass Frauen häufiger in geringer bezahlten Branchen und Berufen arbeiten. Arbeit in „typischen Frauenberufen“ - wie beispielsweise in Erziehung und Pflege - werden finanziell schlechter entlohnt, als jene in sogenannten „Männerdomänen“. Frauen gelangten auch seltener in Führungspositionen (dieses Phänomen ist bekannt als „Glass Ceiling“) und arbeiteten öfter in Teilzeit oder unterbezahlten Minijobs. Zudem unterbrechen oder verkürzen Frauen häufiger als Männer ihr Arbeitsverhältnis für „Care-Arbeit“ – wie zum Beispiel für die Pflege von Angehörigen oder die Kindererziehung (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010, S.1f., 9).

Initiativen wie der Girls'Day, Women in Tech, #eSkills4Girls-Projekte, MINT-Initiativen und das Gesetz zu Transparenz bei den Entgeltstrukturen, versuchen explizit Frauen zu fördern. Durch die sukzessive Einführung der viel diskutierten Frauenquote soll der strukturell verankerten Schlechterstellung Einhalt geboten werden. Zuletzt beschloss das Bundeskabinett Anfang dieses Jahres die Einführung einer verbindlichen Frauenquote für Vorstände großer Unternehmen. Diesem Gesetzentwurf muss der Bundestag noch zustimmen (Zeit Online berichtete am 06.Januar 2021).

„Während mögliche Ursachen der Lohnungleichheit medial viel diskutiert werden, sprechen wir seltener darüber, was der Gender Pay Gap eigentlich für Folgen hat. Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen ist nämlich nicht nur Ergebnis einer ungerechten Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern, sondern trägt selbst wiederum dazu bei, dass sich diese Form der Arbeitsteilung verstärkt. „Eine andere schwerwiegende Folge des Gender Pay Gaps geht in der Diskussion ebenfalls oft unter: Die Ungleichheit und die soziale Unsicherheit, die durch die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt entstehen, führen auch zu einer enormen Ungleichheit in der Rente.“ (Petrik 2019) Insofern spricht man davon, dass Altersarmut weiblich sei.

„Zu erkennen, wie weitreichend die Strukturen sind, die dem Einkommensunterschied zugrunde liegen, mag auf den ersten Blick frustrierend wirken. Es ist aber auch der erste Schritt, um politisch sinnvolle und wirksame Strategien gegen diese Ungerechtigkeiten zu entwickeln.“ (Petrik 2019)

Hier finden Sie eine Aktionslandkarte zum Equal Pay Day 2021.

Verwendete Quellen im Text:
Frauen, Macht, Geschichte 2000: Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, in: Kommission für Frauenfragen (Hrsg.): Frauen, Macht, Geschichte. Zur Geschichte der Gleichstellung in der Schweiz 1848-2000, o.V., S. 1-13.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010: Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern. Einstellungen, Erfahrungen und Forderungen der Bevölkerung zum „gender pay gap“, S. 1-37. Online unter: (Stand 25.02.21, 14:36)

Petrik, Teresa 2019: Equal Pay Day: Warum der Gender Pay Gap nur ein Teil des Problems ist. Online unter: (Stand 26.02.2021, 10:30)

https://frauen.verdi.de/aktionstage/equal-pay-day (Stand 26.02.2021, 10:35)

Weitere relevante Links zum besagten Thema:
https://www.boeckler.de/pdf/schule_ue_lohngleichheit.pdf
https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Entgelt_UN_Gleichheit/Faktensammlung_Entgeltungleichheit.pdf?__blob=publicationFile&v=4
https://www.berlin.de/sen/frauen/arbeit/fuehrungspositionen/frauenfoerderung/
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/gleichstellung/frauen-und-arbeitswelt/lohngerechtigkeit
https://www.bmz.de/de/service/sonderseiten/women_in_tech/01_hintergrund/index.html
https://www.eg-check.de/eg-check/DE/Home/home_node.html
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=LEGISSUM:c10905
https://www.equalpayday.de/fileadmin/public/user_upload/2020_12_10_Synopse_EPD_21.pdf
https://www.gb-check.de/gb-check/DE/Home/home_node.html
https://www.lohnspiegel.de/thematische-analysen-20014-21455.htm
https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2021-01/frauenquote-vorstaende-fuehrungsebene-kabinett-beschluss
https://www.zeit.de/2020/13/gender-pay-gap-geschlechtergerechtigkeit-gesetze-gehalt/komplettansicht?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.equalpayday.de%2Fstartseite%2F
https://www.tagesschau.de/multimedia/podcasts/malangenommen-mehr-frauen-in-fuehrung-101.html

Bildquelle:
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