Der Dunning-Kruger-Effekt – Gehen Inkompetenz und Selbstüberschätzung Hand in Hand?

Das Phänomen der Selbstüberschätzung kennen sicher Einige aus dem Alltag: Beim gemeinsamen Fußball schauen, beschweren sich Fans über Fehlentscheidungen von Trainer oder Schiedsrichter und sind sich sicher, in der Situation eine bessere Entscheidung treffen zu können. Sie halten sich für taktisch klüger und kompetenter als der professionelle Trainerstab und das Management. Dies ist ein gutes Beispiel für den sogenannten Dunning-Kruger-Effekt.

Auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie tritt dieser Effekt – vor allem in den sozialen Netzwerken – auf. Menschen, die bis vor kurzem nichts von dem Corona-Virus wussten, kritisieren anerkannte Fachleute mit dem Brustton der Überzeugung es besser zu wissen. Dabei haben sie weder Medizin, Virologie noch Epidemiologie studiert und können keinerlei fachliche Expertise nachweisen.

Die Kluft zwischen Selbstüberschätzung und tatsächlichen Fähigkeiten

Dieser offensichtliche Unterschied zwischen Kompetenz und eigener Einschätzung wurde im Jahr 1999 durch die Psychologen David Dunning und Justin Kruger wissenschaftlich untersucht.
Dabei zeigte sich, dass besonders Menschen mit gering ausgeprägten Kompetenzen dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Hinzu kommt, dass diese Menschen die Kompetenz und Intelligenz anderer häufig nicht anerkennen. Als mögliche Ursachen für diesen Effekt wurden folgende Faktoren erfasst: die fehlende Kompetenz zum Erkennen der eigenen Inkompetenz und das daraus folgende Nichterkennen der Notwendigkeit, sich weiterzubilden, um die eigene Kompetenz zu steigern.

"Self-fullfilling Prophecy" – positive Folgen der Selbstüberschätzung

Beruflich und privat hat Selbstüberschätzung dennoch auch positive Folgen. Menschen, die von sich überzeugt sind, strahlen eine entsprechende Kompetenz und Entschlusskraft aus. Das schafft Sympathien und kann – trotz fehlender eigener Kompetenz – gerade in Führungspositionen mit einem kompetenten Team zum Erfolg führen. Hintergrund ist der Effekt der „selbsterfüllenden Prophezeiung“.

Konsequenzen für die Personalauswahl

Für den Bereich Personalauswahl – insbesondere bei Führungskräften – ergibt sich aus dem Dunning-Kruger-Effekt die Notwendigkeit von objektiver Kompetenzmessung. Es empfiehlt sich z.B. der Einsatz kognitiver und psychologischer Tests. Ebenso können in Vorstellungsgesprächen realistische und herausfordernde Beispielaufgaben/Szenarien gelöst werden.
Beobachten Sie bei Mitarbeiter*innen oder Kolleg*innen (oder Beratungskund*innen) die Auswirkungen des Kruger-Dunning-Effektes, so hilft ggf. beharrliches und konstruktives Feedback.
Achten Sie dabei auf typische Verhaltensweisen: Abwehrhaltung, Vorwärtsverteidigung, Wut, Trotz, Rechtfertigungen.


Abschließend sei gesagt, dass der Dunning-Kruger-Effekt im Jahr 2000 glücklicher Gewinner des satirischen „ig-Nobelpreis“ im Bereich Psychologie war. Diesen Preis erhalten Forschungen, die erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen. Allzu ernst nehmen sich die beiden Autoren der Studie wohl auch selbst nicht, wenn sie in ihrem Vorwort schreiben: „Die unbewusste Inkompetenz zeigt sich auf vielen Gebieten, darunter Teamführung, Kindererziehung und dem Durchführen einer fragwürdigen psychologischen Studie.“

 

Quellen:
https://www.humanresourcesmanager.de/news/dunning-kruger-effekt-was-ist-das.html
https://karrierebibel.de/dunning-kruger-effekt/
https://www.geo.de/wissen/23942-rtkl-psychologie-dunning-kruger-effekt-weshalb-inkompetente-menschen-oft-das-groesste

 

Bildquelle:
würfel cube info 3D © moonrun - fotolia.com

Zurück

gesbit logoberliner senat

Mobile Version