Arbeitszeugnis von der Stange? Nein Danke!

Nach Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses haben Arbeitnehmer*innen einen gesetzlichen Zeugnisanspruch. Beantragt der Arbeitnehmende ein einfaches Zeugnis, stellt dies in der Regel auch für unerfahrene Arbeitgebende kein Problem dar. Anders beim qualifizierten Zeugnis, das einen nicht unerheblichen Aufwand erfordert, mit dem ohnehin unterbesetzte Personalabteilungen schnell überfordert sind.

Seit vielen Jahren kommen in solchen Situationen häufig Zeugnis-Ghostwriter ins Spiel. Sie verdienen ihr Geld, indem sie Zeugnisse für Firmen schreiben, in denen sie niemals gearbeitet haben und für Arbeitnehmer, die sie nie gesehen haben.

Besonders große Unternehmen mit hoher Mitarbeiterfluktuation bedienen sich der externen Ghostwriter. Auch Unternehmen, die gleichzeitig eine große Anzahl von Mitarbeitenden entlassen, zum Beispiel wenn ganze Standorte verlegt werden, greifen öfter zu dieser Maßnahme.

Die Erfahrung zeigt, dass diese Massenware sich oft bis ins kleinste Detail gleicht. So lassen sich in kürzester Zeit viele Zeugnisse schreiben. Arbeitnehmer*innen sollten deshalb - insbesondere, wenn ihr Unternehmen eine größere Anzahl von Personen gleichzeitig entlässt - einen kritischen Blick auf Ihr Zeugnis werfen.

Stellt sich heraus, dass man ein Fließbandprodukt als Zeugnis erhalten hat, sollte man sich an das Unternehmen wenden. Ein Arbeitszeugnis muss individuell sein. Ein 08/15-Zeugnis, das Ihre Arbeitsaufgaben, Ihre Leistung und die individuellen Besonderheiten Ihrer Arbeit nicht hinreichend beschreibt und würdigt, können Sie zurückweisen. Dabei haben die Arbeitnehmer*innen das Gesetz, beziehungsweise die Rechtsprechung, auf ihrer Seite.

ACHTUNG

Wir möchten Sie abschließend noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese Ausführungen keine Rechtsberatung, sondern lediglich eine Orientierungshilfe darstellen.

Es handelt sich um unsere sorgfältig recherchierte Sichtweise auf das Thema. Bei aktuellen Problemen oder Rechtsstreitigkeiten wenden Sie sich bitte direkt an eine*n Fachanwalt/Fachanwältin für Arbeitsrecht oder an eine Rechtsberatungsstelle.

Das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales ist ein kompetenter Ansprechpartner. Auch dorthin können Sie sich mit Ihren Fragen zum Thema Arbeitsrecht bzw. Zeugnis wenden.

Die Beratung ist kostenfrei: Mo–Do von 8–20 Uhr unter 030 - 22 19 11 00 4

Bildquelle:
würfel cube info 3D © moonrun - fotolia.com

Zurück

gesbit logoberliner senat

Mobile Version