Wege der Stellensuche und Wahrscheinlichkeit des Erfolges

(Quelle der Prozentangaben: Richard Nelson Bolles: Durchstarten zum Traumjob)

1 %: Selbst ein Stellengesuch aufgeben

In bestimmten Berufen mit massivem Fachkräftemangel (z. B. hochspezialisierte Ingenieure) ist die Wahrscheinlichkeit sicherlich wesentlich höher als ein Prozent. In der Regel aber ist diese Methode nicht ratsam. Außer vielleicht Sie wollen ein paar Bewerbungstrainer glücklich machen, die mit dieser tollen und innovativen Methode ganz wunderbar Ihre Seminare verkaufen können. Grosse Hoffnungen auf einen neuen Job sollten Sie sich aber nicht machen.

4 %: Private Arbeits- oder Personalvermittlungen aufsuchen

Diese Methode ist sehr schwer einzustufen. Auch hier gibt es für ausgebildetes Fachpersonal vielleicht sogar gute Vermittlungschancen. Außerdem sollten Sie bedenken, dass mache Firmen ihren Verwaltungsaufwand reduzieren wollen und die Personalsuche auslagern. Manchmal geht es daher fast nur über eine private Arbeitsvermittlung. Sie sollten diese Methode nicht links liegen lassen – zumal Aufwand und Kosten für Sie sehr gering sind, wenn Sie einen Vermittlungsgutschein besitzen. Private Arbeitsvermittler finden Sie im Internet z. B. unter www.pav-job.de.

8 %: Sich an die Arbeitsagentur wenden

Wenn Sie Kunde, also arbeitssuchend sind, sollten den dortigen Service nach Möglichkeit in Anspruch nehmen. Allerdings ist dies kein Ersatz für eigenes Engagement. Es ist und bleibt die Aufgabe jedes Arbeitslosen, selbst nach den geeigneten Stellen zu suchen. Die Suche nach passenden Stellen ist nun mal sehr zeitaufwendig und für die Vermittler der Arbeitsagentur, bei der Vielzahl der Aufgaben, unmöglich zu leisten. Arbeitssuchende können sich im Internet unter www.arbeitsagentur.de registrieren lassen, um zusätzliche online-Angebote (Lernprogramme, automatisierte Stellensuche, etc.) nutzen zu können. 

12 %: Die Suche im Internet

Das Internet wird immer beliebter, das Internet bietet vieles kostenlos. Kostenlos heißt aber auch manchmal schlechte Qualität. Und die guten Stellen werden nicht selten gar nicht ausgeschrieben, sondern intern besetzt oder über Kontakte und Netzwerke. Der Erfolg der Methode Internetrecherche wird weithin überschätzt. Zur Stellenrecherche trotzdem unverzichtbar.

13 %: Blind- oder Initiativbewerbungen nach dem Zufallsprinzip verschicken

Gut geeignet, wenn Sie das Glück haben, dass ein Unternehmen zurzeit einen neuen Mitarbeiter mit genau Ihren Qualifikationen sucht. Vielleicht werden Sie so in Betracht gezogen, noch bevor eine offizielle Stellenausschreibung erfolgt. Die Konkurrenz ist damit wesentlich geringer. Ganz wichtig: schreiben Sie Ihre Initiativbewerbungen auf gar keinen Fall als Massenware oder verwenden Serienbriefe. Sie minimieren Ihre Chancen dadurch maximal. Gerade Initiativbewerbungen sollten individuell auf das Unternehmen und die gewünschte Position/Tätigkeit abgestimmt sein.

24 %: Anzeigen in der Tages- oder Fachpresse beantworten

Unternehmen, die hier inserieren, nehmen Geld in die Hand, um einen Mitarbeiter zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Stelle dringend besetzt werden muss ist also relativ groß – Ihre Konkurrenz allerdings auch. Wer gut auf das Stellenprofil passt und realistische Gehaltsforderungen hat, kann aber fündig werden. Für Kleinanzeigen gilt dies weniger. Dort besteht die Gefahr schwarzer Schafe. Meiden Sie zu gut klingende Angebote und seien Sie skeptisch, wenn Sie auf Nachfrage nur mit unkonkreten Informationen abgespeist werden. Andererseits haben kleine Unternehmen, soziale Organisationen und Vereine aus finanziellen Gründen häufig keine andere Wahl, als auf Kleinanzeigen zu setzen.

27 %: Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn und all Ihre Bekannten fragen, ob sie etwas über freie Stellen wissen

Etwas vereinfacht dargestellt, läuft die Stellenbesetzung aus Unternehmenssicht in der Regel immer nach folgendem Schema ab:

  1. interne Stellenausschreibung
  2. Aktivierung von Netzwerken, also: kennt irgendjemand im Unternehmen oder ein Geschäftspartner oder eine jemand aus dem Bekanntenkreis eine Person, die geeignet für die Stelle erscheint.
  3. externe Stellenausschreibung

Interessanterweise gehen fast alle Bewerber den genau entgegengesetzten Weg und beschränken sich auf die Beantwortung von Stellenausschreibungen. Die unter diesem Punkt vorgestellte Methode berücksichtigt stärker die Besetzungspraxis von Unternehmen. Zwei Leitfragen für das Gespräch in Ihrem Bekanntenkreis:

  1. Wissen Sie/Weißt Du, ob es bei Ihnen/Dir in der Firma oder anderswo eine freie Stelle gibt?
  2. Wissen Sie/Weißt Du irgendjemand, der mir weiterhelfen könnte oder der vielleicht weiß, wo es offene Stellen geben könnte?
47 %: bei allen Unternehmen, Betrieben oder Büros, die Sie interessieren, direkt nachfragen, ob es dort freie Stellen gibt

Eine Methode für die etwas Mutigeren. Eher bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sinnvoll. Bei großen Unternehmen mit Personalabteilung dürfte es schwierig sein, den richtigen Gesprächspartner zu erreichen. Aber auch für diese Fälle gibt es Methoden persönlich das Unternehmen kennen zu lernen (z. B. life/work-planning). Nicht empfehlenswert ist es, einfach Ihre Bewerbungsunterlagen abzugeben. Besser ist z. B. folgendes Vorgehen:

„Guten Tag, ich bin …(Beruf)… und habe zuletzt …(Tätigkeit)… Ich suche nun eine Aufgabe, bei der ich …(Hauptaufgaben)… kann. Ich bin heute hier, weil ich persönlich nachfragen wollte, ob bei Ihnen die Möglichkeit besteht, ... zu tun und wenn ja, was würden Sie dann von mir erwarten.“

Damit haben Sie nicht einfach wie ein Bote etwas abgeliefert, sondern erfahren sofort, ob überhaupt eine Chance besteht und können dann genau das machen, was der potentielle Arbeitgeber erwartet. Sollten Sie nach Ihren Bewerbungsunterlagen gefragt werden, haben Sie diese natürlich ordentlich in einer Mappe mit dabei und sofort griffbereit. Mit etwas Glück, ergibt sich sogar ein kleines Gespräch. Seien Sie aber nicht aufdringlich. Wenn Sie zu einem sehr ungelegenen Zeitpunkt kommen, man gerade keine Zeit für Sie hat oder Sie vielleicht abwimmelt, dann akzeptieren Sie dies und verabschieden sich höflich ggf. verbunden mit der Frage, ob Sie zu einem anderen Zeitpunkt wiederkommen können.

69 %: in den Gelben Seiten nachsehen

Ähnlich wie die eben beschriebene Methode, nur strukturierter und mit wesentlich mehr potentiellen Unternehmen. Auch hier keine Serienbriefe verschicken, sondern persönlich oder telefonisch nachfragen, ob zur Zeit (oder zukünftig) eine Stelle zu besetzen ist. Sie können ebenfalls die Branchenverzeichnisse im Internet nutzen. 

86 %: Differenzierte Zielfindung durch Selbstanalyse

Arbeitgeber suchen Mitarbeiter, die genau wissen, was sie wollen und können. Allerdings sind Menschen selten, die ihren Karriereweg strukturiert planen und dabei berücksichtigen, was sie WIRKLICH gern machen. Mit geplanter Karriere ist nicht gemeint z. B. Studium BWL mit Schwerpunkt Marketing -> also Bewerbung im Marketing. In diesem Fall wurde lediglich der vermeintlich logische nächste Schritt gewählt. Selbstanalyse bedeutet wesentlich mehr! Selbstanalyse ist ein aufwendiges, strukturiertes Vorgehen und bedeutet, sich die richtigen Fragen zu stellen, diese schriftlich zu beantworten und daraus die passenden Schlüsse zu ziehen. Leitfragen könnten sein:

  1. Welche Tätigkeiten übe ich gerne aus? (organisieren, Anweisungen ausführen, bewerten, recherchieren, umbauen, etc.)
  2. Für was bzw. welche Themen interessiere ich mich? (Welche Zeitschriften interessieren mich? Über was unterhalte ich mich gern mit Freunden? In welchen Läden könnte ich stundenlang stöbern? etc.)
  3. Welche Kenntnisse und Erfahrungen habe ich ganz konkret – auch außerberuflich?
  4. Welche Werte habe ich?
  5. Welche Rahmenbedingungen sind mir wichtig?
  6. Wie heißen die Unternehmen, die sich mit meinen Interessen beschäftigen? Wie heißen die Unternehmen, in denen man das tun kann, das ich gerne tue? Wie heißt/-en die Berufsbezeichnung(en)? 

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